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      2018                                  

 

Ana Ivanovska

 Nikola Smilkov  

Shora Falah Vahdati

Mr. Ira Schneider & Friends

Man Up - Man Down

 

 

 

27.04. - 14.05.2018
Skulpturen

Nikola Smilkov

   

 

 

 

        

       

       

       

 

 

Die Handfläche als Maß – Figurinen von Nikola Smilkov

Mit einer außerordentlichen Feinfühligkeit der Figurinen, die mit ihren Dimensionen und einer subtilen Steinverarbeitung beinahe in die Innenfläche einer Hand passen, wird im neuesten Zyklus von Nikola Smilkov die Idee von etwas ausdrücklich Zartem und Fragilem an den Tag gebracht: etwas, was man wie eine Kostbarkeit behütet, wobei gleichzeitig mit breiten und sauberen Oberflächen ein suggestiver Eindruck der Monumentalität geschaffen wird.

Obwohl die Figurinen von ungewöhnlich kleinem Maß sind, ganze zehn bis fünfzehn Zentimeter, wurden sie wie monumentale Skulpturen entworfen und geschaffen, ohne minuziöse Ausarbeitung und überflüssige Details, welche die Aufmerksamkeit vom Gesamten ablenken. Mit klaren und gekonnt definierten Linien der Volumina, wurde eine außerordentliche Leichtigkeit geschaffen, und zwar nicht nur die Leichtigkeit der Bewegung, sondern auch die der Form als eines Ganzen, obwohl überwiegend Stein als Material eingesetzt wurde. Durch diese Art der Materialverarbeitung wurde eine Leidenschaft des Körpers erreicht, die ohne tatsächliche Darstellung erkennbarer Attribute der Nacktheit auskommt. Alles wurde auf die Masse und den delikaten Zustand der Oberfläche beziehungsweise auf die Textur der Steine reduziert. Mit gekonnter Reduktion der Formen im kubistischen Geiste, jedoch ohne sie zu depersonalisieren, wie es so oft in kubistischen Plastiken vorkommt, wandelt der Künstler auf besonders subtile Art die Vorstellung von der Frau als grazilem Wesen in Stein um. In diesen Figurinen wurde die Weichheit des Teints, die Wärme der Berührung, die Zärtlichkeit des weiblichen Körpers bewahrt... Obwohl die kubistische Reduzierung der Ausgestaltung wahrnehmbar ist, gibt es keine scharfen Kanten: Rein durch die Steinbearbeitung ist alles zarter gemacht worden: weiche Umrisse im Zeichen der Sanftheit verbunden mit dem Wechselspiel der Massen. 

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Der Künstler stellt den weichen Oberflächen, zarten Umrissen und dem strahlenden Weiß des Marmors die Festigkeit, den kühlen Glanz und die klaren Konturenden des schwarzen Granits entgegen und potenziert auf diese Weise die wesentlichen Merkmale der Zärtlichkeit und Empfindlichkeit des weiblichen Wesens. Deswegen ist es nicht zufällig, dass die Mehrheit der Marmorskulpturen auf einen schwarzen Granitkubus gesetzt wurden, nämlich die Skulpturen Buđenje / Erwachen (2015), Na rubu / Am Rande (2017) und Razmišljanje / Nachdenken (2017). Auch in der Skulptur, die der Künstler auf eine Platte aus Onyx gestellt und Akt (2014) genannt hat, widerspiegelt sich voll und ganz der künstlerische Hang zum zärtlichen, sanften und grazilen Ausdruck, und dies nicht nur in ihrer Form, der Bewegung und der Körperlage, sondern auch in der Art und Weise, wie dieser Ausdruck in einem Material wie Stein festgehalten worden ist. Äußerst durchdacht kombiniert der Künstler die Glätte und die weiße Reinheit des Marmors mit der edlen grobkörnigen Textur und der nuancierten Struktur des Onyx (im Sockel), wodurch die Kompaktheit und Reinheit des Marmors, aus dem die Skulptur geformt ist, umso mehr betont werden. Auch bei der Skulptur Iščekivanje / Erwartung (2015) gibt es eine Plinthe aus grauem Stein, der mit rustiker, unbearbeiteter Oberfläche und abgetragenen Kanten einen Kontrast zum Linienverlauf und auch zur Weichheit und dem taktilen Charakter des weiblichen Körpers schafft. Im Unterschied zur Figur Spokojstvo / Seelenfrieden (2014), die betont schemenhaft, aber auch sehr kühl und dekorativ gehalten ist, wurde in der Skulptur Akrobat (2013), deren Formgebung sehr ähnlich anmutet, die Bewegung des Akrobaten und somit die Suggestion der Dehnbarkeit und der Drehgeschwindigkeit des menschlichen Körpers in der Luft auf außerordentliche Weise festgehalten.

Bei den Figurinen aus Metall (Bronze) ist eine festere Modellierung feststellbar: Die Formen sind strenger und die grundsätzliche kubistische Reduktion auf elementare geometrische Formen ist im größeren Maße präsent, insbesondere bei der Ausgestaltung des Kopfes. Die Betonung liegt mehr auf der Beziehung zwischen Volumen und Form und weniger auf der Sinnlichkeit des nackten Körpers, was in hohem Maße durch die Möglichkeiten des Materials bedingt ist. Gerade weil er mit den Ausdrucksmöglichkeiten verschiedener Materialien bestens vertraut ist, benutzt Smilkov die Bronze als ein Material, mit dem man die Glätte und den Zusammenfluss der Formen, aber auch den Klang des Materials sehr ausdrucksvoll erreichen kann. Indem er die Skulpturen auf Podeste aus Stein setzt, lotet der Künstler das Verhältnis von Bronze und Stein aus, er stellt die visuelle Wirkung der glatt-glänzenden Fläche, aber auch den Klang der Bronze in einen Gegensatz zur Stummheit des Steins.

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Schließlich könnte man sagen, dass der neueste Figurinenzyklus von Nikola Smilkov zum Thema des menschlichen Körpers eine ausnahmslos sorgfältige Sensibilität des Künstlers für die Empfindlichkeit und den Ausdruck des Materials offenbart. Gerade die Achtsamkeit gegenüber der Materialnatur ist ein Novum, welches schon am Anfang des 20 Jahrhunderts die moderne Plastik bestimmt hat – was ein entscheidender Fortschritt im Hinblick auf die europäische Skulptur der letzten paar Jahrhunderte war: Sie „erstickte“ in den Darstellungsdetails, wodurch oft eine der wesentlichen Eigenschaften des Bildhauerwerkes zunichte gemacht wurde, und diese ist nun mal und vor allem der Ausdruck des Materials.

Die Bedeutung und der Wandel, die mit dieser neuen Herangehensweise an das Material in der modernen Skulptur einhergingen, zeigt sich in den Spitzenwerken von Künstlern, welche gerade durch ihren Respekt vor der Materialnatur und der Möglichkeit des Materialausdrucks – und das in Stein – berühmt wurden, vor allem die Werke von Constantin Brâncuși vom Anfang des 20 Jahrhunderts, aber auch diejenigen von Isamu Noguchi, Vojin Bakić und anderen aus der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts. Im Bereich des Bronze- bzw. Metallausdrucks geht es um Künstler wie Alberto Giacometti, Henry Moore, Julio Gonzales und andere; heute, zu Beginn des 21 Jahrhunderts handelt es sich insbesondere um die Werke von Richard Serra. Der grundlegende Wesenszug von Nikola Smilkov beruht nachgerade im geradlinigen Suchen und Finden von Ausdrucksmöglichkeiten wesentlicher Materialeigenschaften, vor allem derjenigen von Stein, aber auch von Bronze. 

Würden einige der erfolgreichsten Werke aus diesem Zyklus, vor allem die Skulpturen Buđenje / Erwachen (2015) und Iščekivanje / Erwartung (2015) im öffentlichen Raum als monumentale Nachbildungen ausgestellt – wobei die Skulpturen gut auf ihre Umgebung abgestimmt werden müssten –, würde das weibliche Wesen auf eine zeitgenössische Art und Weise verewigt werden und die Skulpturen erhielten ihren vollen Ausdruck.

Dr. Rajka Bošković
Kunsthistorikerin und Kunsttheoretikerin

Übersetzung: Bojan Šuman

CV / Lebenslauf:
Nikola Smilkov wurde 1973 in Stip (Mazedonien) geboren. 1999 absolvierte er sein Studium der Malerei an der St. Kyrill und Method Universität in Skopje, wo er 2002 seinen Magister im Fachbereich Bildhauerei in der Klasse von Prof. Dragan Poposki – Dada erlangte. 2012 erfolgte die Promotion im Fachbereich Methodik der Kunsterziehung an der Pädagogischen Fakultät der St. Kliment von Ohrid Universität in Bitola. 

Er nahm an mehreren internationalen Symposien teil, an denen er monumentale Skulpturen realisierte. Er stellte in Gruppenausstellungen in Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Serbien, Bulgarien, Rumänien, Frankreich, Indien und der Türkei aus.
Nikola Smilkov erhielt zweimal den ersten Preis für seine Skulpturen, der ihm jeweils 2008 und 2016 vom Verband der bildenden Künstler Mazedoniens verliehen wurde.